Sterbebegleitung

 

"Ich bin von euch gegangen, nur für einen kurzen Augenblick und gar nicht weit.

Wenn ihr dahin kommt, wohin ich gegangen bin,

werdet ihr euch fragen, warum ihr geweint habt"

(LAOTSE)

Die meisten Menschen denken nicht gerne an den Tod und darüber reden wird noch schwieriger. Doch:

Nichts ist gewisser als der Tod, nichts ungewisser als seine Stunde.

Bei jeder Geburt wo das Leben geschenkt wird, wird genau dieses Leben auf der Erde durch den Tod beendet. Noch niemand hat das Leben überlebt. Würden wir dies mehr in unserem Bewusstsein aufnehmen, würden wir auch bewusster leben, manches nicht so schwer nehmen, vieles anders angehen, dankbarer sein für die unzähligen Schönheiten der Natur und all die glücklichen Momente mit offenem Herzen aufnehmen. Auch unsere Tiere sind Geschenke, welche uns unendlich viele glückliche, unvergessliche und lehrreiche Momente schenken und uns in vielen schweren Lebenssituationen das Dasein erleichtern, uns aufheitern und begleiten. Aber eins ist sicher, fast alle Tiere haben eine kürzere Lebenserwartung als wir Menschen, daher müssen wir uns früher oder später von ihnen trennen und uns verabschieden. Warum sich nicht mal darüber Gedanken machen, auch wenn das Tier noch fit und gesund ist?

"Jeder Augenblick im Leben ist ein Schritt zum Tode hin."

(Pierre Corneille)


Wenn man sich über den Tod nie Gedanken macht, kommt er immer überraschend und die Welt bricht über einem zusammen. Ich denke jeder Mensch sollte für sich einen Weg, eine Vorstellung, eine Einstellung oder eine Überzeugung suchen, die ihm helfen kann, wenn es mal soweit ist ein geliebtes Wesen zu verlieren, oder gehen zu lassen. Sei es über einen Glauben oder einer " selbstgewobenen" Vorstellung über das Sterben und den Tod. Nachfolgend möchte ich meinen Weg zeigen, mit dem Sterben, dem Tod und der Trauer umzugehen. - Ein Weg von vielen.

Das Sterben, vielleicht ist es kein Weggehen, sondern ein Zurückgehen? Sind wir nicht unterwegs mit ungenauem Ziel und unbekannter Ankunftszeit, mit Heimweh im Gepäck? Wohin denn sollten wir gehen wenn nicht nach Hause zurück?

In meinem früheren Stall leben grösstenteils alte oder gesundheitlich angeschlagenen Pferde. Da liegt es auf der Hand, dass uns jährlich immer einige Pferde verliessen. Anfangs war es für mich immer ein sehr trauriges, unbegreifbares, teils auch ungerechtes und schmerzhaftes Ereignis. Ich war überfordert - konnte mit dem Tod nicht umgehen, da ich mich auch noch nie wirklich damit beschäftigt hatte. Ich musste etwas ändern - so hielt ich es auf die Dauer nicht aus! Also bin ich auf die Suche - in mich - gegangen, was ich brauche um dem Tod ohne negative Gefühle zu begegnen.

 

"Ich glaube, dass wenn der Tod unsere Augen schliesst, wir in einem Licht stehen,

von welchem unser Sonnenlicht nur ein Schatten ist."

( Arthur Schopenhauer )

 

Das Sterben und der Tod haben viele verschiedene Gesichter, was eine hohe Anforderung an die Begleitung stellt. Für mich gibt es zwei grosse Gruppen: Sterbebegleitung auf gesetzten Tierarzttermin. Sterbebegleitung auf Grund akuter Gesundheitsprobleme.

Sterbebegleitung auf gesetzten Termin

Unsere Pferde leben in der Herde und sollen auch in der Herde sterben können. Schon bevor mit dem Tierarzt ein Termin festgesetzt wird, spreche ich mit dem Pferd und erkläre ihm, was weiter geschehen wird. Ich verbinde mich mit dem Licht und bitte um Liebe und Heilung für das Pferd und dass es liebevoll erwartet werde und der Weg hell erleuchtet sein werde, damit der Übergang in tiefem Frieden angegangen werden kann. Ich erkläre dem Pferd, dass der Tierarzt kommen wird um es zu erlösen. Jeden Tag, bis der Tierarzt kommt treffe ich mich mit dem Pferd im inneren Raum. Ich bedanke mich bei dem Pferd für sein Dasein und wünsche ihm eine gute Heimreise. Es herrscht immer eine ruhige Atmosphäre, kein Stress, keine Hektik, keine lauten Worte. Das Pferd weiss um was es geht. Mein mittlerweile Ex-Mann und ich, blieben die ganze Zeit bei dem Pferd, falls der Besitzer dabei sein wollte, war dies natürlich möglich. Während der Tierarzt die Spritzen setzt, steht das Pferd in der " Lichtsäule" und wird von mir liebevoll gestreichelt. Das Pferd verlässt seinen vergänglichen Körper.

Nun traurig, dass das Pferd nicht mehr da sein wird,

dankbar, dass ich dem Pferd beistehen konnte,

glücklich, dass ich da war und seinen Übergang begleiten durfte,

erleichtert, dass das Pferd friedlich gehen durfte,

überzeugt, dass das Pferd nun von all seinen Schmerzen, Ängsten und irdischen Aufgaben erlöst ist.

Alle Anwesenden nehmen nochmals Abschied. Anschliessend zünde ich eine Kerze an, stelle ein Foto, eine Blume dazu.

 

"Glaube ist Gewissheit ohne Beweis"

(Henri Frédéric Auriel)


 

Sterbebegleitung auf Grund akuter Gesundheitsprobleme

Auch hier versuchten wir, dass das Pferd in der Herde sterben kann. Manchmal ist es aber leider nicht möglich. In den meisten Fällen, merkten mein mittlerweile Ex-Mann und ich sofort, noch bevor der Tierarzt da ist, dass das Pferd eingeschläfert werden muss. Sofort verbinde ich mich mit dem göttlichen Licht und Erzengel Raffael und bitte um Licht, Liebe, Heilung und um Schmerzlinderung für das Pferd. Ich bitte darum, den Heimweg zu erhellen, welchen das Pferd schon betreten hat. Die Pferde werden ruhiger... Seit ich die Pferde so begleiten konnte, war die " Wartezeit " auf den Tierarzt meistens nicht mehr mit Stress, Ungeduld, Verzweiflung oder gar Ärger verbunden. Ich habe meine Aufgabe und kann das Pferd auf den Tod vorbereiten und begleiten.

Irgendwann während solcher Licht -Behandlungen hebt das Pferd den Kopf, blickt in die Ferne - himmelwärts - und wiehert. Es ist ein Wiehern, welches so, vorher noch nie gewiehert wurde.

Ich spüre, dass es eine Begrüssung oder ein " ich komme heim! " ist. Ein sehr, sehr berührender Moment. Ich erkläre dem Pferd alles, was weiter geschehen wird, wenn der Tierarzt da ist.

 

Gibt es ein Leben nach der Geburt?

Ein ungeborenes Zwillingspärchen unterhält sich im Bauch seiner Mutter.

"Sag mal, glaubst du eigentlich an ein Leben nach der Geburt?" fragte der eine Zwilling.

"Ja auf jeden Fall! Hier drinnen wachsen wir und werden stark für das was draussen kommen wird" antwortet der andere Zwilling.

"Ich glaube, das ist Blödsinn!" sagte der erste.

"Es kann kein Leben nach der Geburt geben - wie sollte das denn bitteschön aussehen?"

"So genau weiss ich das auch nicht. Aber es wird sicher viel heller als hier sein. Und vielleicht werden wir herumlaufen und mit dem Mund essen."

"So ein Unsinn habe ich ja noch nie gehört! Mit dem Mund essen, was für eine verrückte Idee. Es gibt doch die Nabelschnur die uns ernährt. Und wie willst du herumlaufen? Dafür ist die Nabelschnur viel zu kurz."

"Doch, es geht ganz bestimmt. Es wird eben alles nur ein bisschen anders."

"Du spinnst! Es ist noch nie einer zurückgekommen von ,nach der Geburt. Mit der Geburt ist das Leben zu Ende. Punktum."

"Ich gebe ja zu, dass keiner weiss, wie das Leben nach der Geburt aussehen wird. Aber ich weiss, dass wir dann unsere Mutter sehen werden und sie wird für uns sorgen."

"Mutter??? Du glaubst doch wohl nicht an eine Mutter? Wo ist sie denn bitte?"

"Na hier - überall um uns herum. Wir sind und leben in ihr und durch sie. Ohne sie könnten wir gar nicht sein!"

"Quatsch! Von einer Mutter habe ich noch nie was bemerkt, also gibt es sie auch nicht."

"Doch manchmal, wenn wir ganz still sind, kannst du sie singen hören. Oder spüren, wenn sie unsere Welt streichelt..."         

 (nach Henry Nouwen )

 

Es ist alles eine Frage der Perspektive....